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Alter Däne! Jussi Adler-Olsen schickt seinen Ermittler in Pension

Neues Buch: Das zehnte Abenteuer von Carl Mørck und seinem Sonderdezernat Q ist gleichzeitig auch das letzte. 

Schickt zum zehnten (und angeblich letzten) Mal Sonderermittler Carl Mørck ins Feld: der dänische Star-Autor Jussi Adler-Olsen.
Schickt zum zehnten (und angeblich letzten) Mal Sonderermittler Carl Mørck ins Feld: der dänische Star-Autor Jussi Adler-Olsen.
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Newsflix Redaktion
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Ist es Coolness oder schlicht Übermut? Schwer zu sagen. Es gehört jedenfalls schon einiges dazu, als Krimiautor seinen erfolgreichsten und beliebtesten Ermittler in Pension zu schicken. So, wie es der Däne Jussi Adler-Olsen soeben getan hat. Sein zehnter Band um den Sonderermittler Carl Mørck vom Sonderdezernat Q mit dem Titel "Verraten" ist gleichzeitig auch sein letzter. "Ich bin sehr erleichtert", sagte der dänische Bestsellerautor bei der Leipziger Buchmesse am Wochenende, "es war eine lange Reise".

Bunte Vita Eine lange Reise musste Jussi Adler-Olsen zunächst auch zurücklegen, ehe er als Autor Fuß fassen konnte. Seine Vita liest sich wie gut erfunden: Der 1950 in Kopenhagen geborene Sohn eines Psychiaters studierte zunächst Medizin, Soziologie, Politische Geschichte und Film, arbeitete als Redakteur für Magazine und Comics, war laut Eigendefinition Koordinator der dänischen Friedensbewegung, Verlagschef bei einer TV-Illustrierten und Aufsichtsratsvorsitzender bei verschiedenen Energiekonzernen. 

Ein Muster, viele Bücher Mit dem Schreiben von Büchern begann Jussi Adler-Olsen erst mit 45 Jahren. Sein erstes Werk, "Das Alphabethaus", erschien in Dänemark 1997. Der Thriller nahm ein Muster vorweg, mit dem der Autor Jahre später Weltruhm erlangen sollte: Verbrechen, die bereits vor Jahren oder gar Jahrzehnten verübt worden sind, haben bis in die Gegenwart hinein Konsequenzen. Doch während Adler-Olsen die Geschichte im "Alphabethaus" noch chronologisch erzählte, verwob er Vergangenheit und Gegenwart in seiner 2007 gestarteten Reihe um den Sonderermittler Carl Mørck immer mehr.

Ich bin sehr erleichtert, es war eine lange Reise
Jussi Adler-Olsen über das Ende der Mørck-Serie

Sonderdezernat Q Mørck ist Leiter einer Einheit der Kopenhagener Polizei, die sich mit ungelösten alten Fällen, sogenannten "Cold Cases" beschäftigt, das Sonderdezernat Q. Ihm als Assistent zur Seite steht Assad, ein gebürtiger Syrer. Gemeinsam klären die beiden im ersten Band, "Erbarmen", das spurlose Verschwinden einer dänischen Politikerin fünf Jahre zuvor auf.

Dänemarks Bestseller-König Jussi Adler-Olsens Konzept ging auf, das nach Skandinavien-Krimis hungrige Publikum fand sofort Gefallen an seinem Buch. Manche Rezensenten gingen sogar so weit, in Adler-Olsen den legitimen Nachfolger des wenige Jahre zuvor verstorbenen Schweden Stieg Larsson zu sehen. Was den Hype in der Branche betrifft, so war dieser Vergleich sicher nicht verkehrt. Und wie jeder "gute" Autor legte Adler-Olsen auch sofort nach. In jährlicher Abfolge brachte er weitere Bände um Carl Mørck und sein Team heraus, das mit zunehmendem Erfolg der Ermittler auch Zuwachs bekam. 

Beispiellose Erfolgsserie Insgesamt neun Bücher um Carl und Co., dazu drei weitere Romane, Jussi Adler-Olsen entwickelte sich zu Dänemarks erfolgreichster Schreib-Maschine. Seine Bücher erscheinen mittlerweile in 45 Sprachen in 120 Ländern und erreichten bisher eine Gesamtauflage von 23 Millionen Exemplaren. Dazu kommen fünf Spielfilme, die zwischen 2014 und 2022 nach den ersten fünf Büchern der Carl-Mørck-Reihe gedreht wurden und ebenfalls ein Millionenpublikum erreichten.

Liebling der Krimi-Fans: Jussi Adler Olsen küsst "seinen" Walk-of-Fame-Stern bei der Frankfurter Buchmesse.
Liebling der Krimi-Fans: Jussi Adler Olsen küsst "seinen" Walk-of-Fame-Stern bei der Frankfurter Buchmesse.
ARNE DEDERT / EPA / picturedesk.com

Mørck basiert auf einem echten Mörder Was vermutlich viele Leser der Krimis des Dänen nicht wissen: Kriminalkomissar Carl Mørck basiert auf einem realen Menschen – allerdings auf keinem Polizisten, sondern einem Mörder. "Mørck hat Eigenschaften eines Patienten meines Vaters geerbt, der tatsächlich Mørk hieß, ohne 'c'", erzählte Jussi Adler-Olsen einmal in einem Interview. "Ich habe diesen Herrn Mørk als Kind kennengelernt und sehr gemocht. Mein Vater erzählte mir, dass er seine Frau getötet hatte. So lernte ich, dass in allen von uns gute und böse Eigenschaften stecken. Meine Erinnerung an diesen Patienten, der mit dem Guten und Bösen gekämpft hat, hat einen großen Teil meiner Hauptfigur geformt."

Aus nach Band 10 Der nun vorgelegte zehnte Band der Mørck-Reihe, "Verraten", soll der letzte sein, wenn es nach dem Willen des Autors geht, der krönende Abschluss der Reihe, in dem Adler-Olsen die diversen losen Enden, die sich über die Jahre ergeben haben, zusammenführen möchte. "In jedem Band habe ich Fährten zum großen Finale gelegt – Andeutungen darüber gemacht, was an dem Tag, an dem Carl Mørck traumatisiert wurde, wirklich geschehen ist", so der Autor. "Von Anfang an hatte ich die ganze Geschichte vor Augen, aber das Finale zu schreiben war dennoch schwierig. Denn mir war wichtig, dass auch diejenigen, die zum ersten Mal eines meiner 'Q'-Bücher lesen, mit dem zehnten Band einsteigen können."

Ich hatte von Anfang an die ganze Geschichte vor Augen
Der Autor über seine zehnbändige Sonderdezernat-Q-Saga

Mørck in Handschellen Dabei erleben Einsteiger und Mørck-Profis im Abschlussband eine Premiere: Gegen den Ermittler wird nämlich dieses Mal selbst ermittelt, er landet hinter dänischen, pardon schwedischen Gardinen, und sein Team hat alle Hände voll damit zu tun, die Unschuld des Chefs zu beweisen, um ihn aus dem Gefängnis zu holen, bevor ihm dort etwas Schlimmes zustößt. Ob dies gelingt - und ob überhaupt eine theoretische Möglichkeit besteht, Mørck noch einmal zurückzuholen auf die große Bühne, sei hier nicht verraten.

Was plant Jussi Adler-Olsen? Ebenso wenig verraten hat bisher auch der Vielschreiber, wie seine nächsten Projekte aussehen. Ob er eine neue Krimireihe starten möchte, sich einem gänzlich anderen Genre zuwendet oder den Schreibcomputer für immer abdreht – immerhin wird der Autor diesen Sommer auch bereits 74 –, der alte Däne hat sich bis jetzt nicht in die Karten schauen lassen. Aber vielleicht möchte Adler-Olsen auch einfach nur mehr Zeit für sein Hobby haben. Denn in seiner Freizeit renoviert er am liebsten alte Häuser, wie er sagt.

Die Verbindung von Vergangenheit undGegenwart hat es Jussi Adler-Olsen einfach angetan.

Von Fans heiß ersehnt: der zehnte Mørck-Band.
Von Fans heiß ersehnt: der zehnte Mørck-Band.
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Jussi Adler-Olsen, "Verraten", dtv, 608 Seiten, € 26,80

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