Plus 25 Prozent
Sonderzölle: Warum Trump damit auch Österreich ausbremst
Ab 3. April schlagen die USA auf alle Auto-Importe einen Extrazoll von 25 Prozent auf, das gilt auch für Fahrzeugteile. Die Folgen, wie teuer Autos werden könnten und wieso die Tarife auch für Österreich eine Hiobsbotschaft sind. Geld-Profi Monika Rosen analysiert.

Der Handelskonflikt, den US Präsident Trump offenbar gegen den Rest der Welt zu führen gedenkt, tritt ab 3. April in eine neue Phase. Da wollen die USA alle Autos, die nicht in den Vereinigten Staaten produziert werden, mit zusätzlichen Zöllen in Höhe von 25 Prozent belegen. Damit gerät eine die am meisten globalisierten Branchen ins Fadenkreuz der US Regierung. Was die Sonderzölle anrichten:
Was genau hat Trump angekündigt?
Die Maßnahme, die der US-Präsident setzen will, ist im Grunde recht einfach: alle Autos, die nicht in den USA produziert werden, unterliegen in Hinkunft einem Zoll in Höhe von 25 Prozent. Auch die Zulieferindustrie soll mit Zöllen belegt werden. Damit wird das Ganze aber recht kompliziert.
Ab wann gelten die Sonderzölle?
Laut "Presidental Action" treten die Sonderzölle für Autos am 3. April um 0:01 Uhr US-Ostküstenzeit in Kraft, in Österreich also um 6.01 Uhr. Die Sonderzölle für Fahrzeugteile, etwa Motoren, Getriebe, Antriebsteile und elektrische Komponenten, folgen spätestens mit 3. Mai.

Warum ist das Ganze kompliziert?
Weil die USA, Kanada und Mexiko in den 90er Jahren begonnen haben, Freihandelsabkommen zu schließen. Am 1. Juli 2020 trat das United States-Mexico-Canada Agreement (USMCA) in Kraft. Damit sind die drei Länder aus Sicht der Autoproduzenten quasi ein großes Territorium geworden, in dem sie an diversen Stützpunkten Autos oder deren Bestandteile herstellen und dann zollfrei in die USA einführen können. Oder besser konnten, denn damit ist jetzt Schluss.
Warum ist damit Schluss?
Weil Autos in Zukunft nicht mehr als Ganzes verzollt werden, sondern quasi stückweise.
Was heißt das?
Beispiel: Ein Auto wird in den USA zusammengebaut, die Kabelstränge aber stammen aus Mexiko, der Motor kommt aus Deutschland, die Batterie aus China. Für jedes dieser Komponenten muss nun ein eigener Zollsatz ermittelt werden. Für die Karosserie aus den USA wird kein erhöhter Zollsatz eingehoben, für die Kabel aus Mexiko vorerst auch nicht, da greift der USMCA, für Motor oder Batterie gelten aber 25 Prozent.
Was bedeutet das in der Praxis?
Laut Trump-Anordnung müssen "Importeure solcher Kraftfahrzeuge dem Minister Unterlagen vorlegen, aus denen der US-Anteil jedes in die Vereinigten Staaten importierten Modells hervorgeht. 'US-Anteil' bezeichnet den Wert des Kraftfahrzeugs, der auf Teile entfällt, die vollständig in den Vereinigten Staaten beschafft, hergestellt oder wesentlich verändert wurden."
Was müssen Importeure also beachten?
Sagen wir ein Audi, der in Mexiko hergestellt wurde, wird in die USA gebracht. Dann gelten für alle Teile, die in Mexiko hergestellt wurden, keine Sondertarife, für alle anderen Komponenten aber 25 Prozent. Steckt der Motor aus Deutschland in einer mexikanischen Aufhängung wird das komplex.
Wie groß ist das Volumen, von dem wir hier sprechen?
In den USA wurden im Vorjahr rund 16 Millionen PKWs verkauft, wobei SUVs und leichte Trucks mit eingerechnet sind. Rund die Hälfte davon waren Importe.
Was heißt das für Europa?
Nichts Gutes, da muss man nur auf die Zahlen schauen. 2023 exportierten europäische Automobil-Hersteller Fahrzeuge und Komponenten im Wert von 56 Milliarden Euro in die USA, das entspricht 20 Prozent des gesamten Auto-Exportwerts der EU. Vereinfacht gesagt: Ein Fünftel, was in diesem Bereich produziert wird, geht in die Staaten.
Aber kamen nicht auch US-Autos nach Europa?
Schon, aber nicht so viele. 2024 exportierten die USA 217.230 Autos in die EU. Fast viermal so viele gingen den umgekehrten Weg. 784.889 europäische Fahrzeuge wurden in den USA verkauft, allein 446.566 Fahrzeuge davon stammten aus Deutschland.
Und für die alle gab es keinen Zoll?
Doch, aber die USA verlangten einen Einfuhrzoll auf Autos von nur 2,5 Prozent. In der EU sind für Autos aus den USA zehn Prozent fällig. Die 25 Prozent der USA kommen nun dazu, deshalb heißen die Sonderzölle Sonderzölle.
Wie teuer wird das jetzt?
Die Analysefirma Bernstein Research hat ausgerechnet, dass die Zollkosten bei BMW von zuletzt etwa 100 Millionen Euro auf fast drei Milliarden Euro steigen könnten. Für US-Kunden könnten Fahrzeuge um 8000 bis 10.000 Euro teurer werden.

Was bedeutet das alles für die Arbeitsplätze?
13,8 Millionen Jobs in Europa hängen direkt oder indirekt an der Automobil-Industrie, 6,1 Prozent der gesamten EU-Beschäftigung. Nicht zu vergessen: Die Branche ist der größte private Investor in Forschung und Entwicklung
Und wie groß ist die Betroffenheit von Kanada und Mexiko?
Über 60 Prozente der Fahrzeuge, die im Vorjahr in Mexiko hergestellt wurden, landeten bei amerikanischen Autohändlern. Im Fall von Kanada liegt der Anteil aber sogar bei fast 90 Prozent.
Sind die US-Autohersteller damit die großen Gewinner?
Nicht wirklich. Sie produzieren zwar in den USA, aber auch in Kanada und Mexiko. Außerdem sind ihre Lieferketten von den Zöllen betroffen. Die Kosten für die Konsumenten sollten also auf alle Fälle steigen.
Warum ist das so?
BMW und Mercedes etwa erwirtschaften rund ein Viertel ihres Umsatzes in den USA. Etwa 50 Prozent ihrer in den USA verkauften Fahrzeuge werden im Inland montiert. Aber: Die meisten Motoren und Getriebe werden aus Europa importiert. Sie sind also ein Fall für die Sonderzölle.
Welche Hersteller sind am meisten betroffen?
Das lässt sich nicht so leicht sagen, weil die Komponenten für viele Fahrzeuge wie gesagt global "eingesammelt" werden. Aber Porsche (25 Prozent) und Ferrari (24 Prozent) verkaufen prozentuell die meisten Autos in den USA. Bei Herstellern wie Volvo Cars, BMW und Mercedes liegt dieser Anteil laut US-Investmentbank Stifel um die 15 Prozent.

Gibt es noch eine Chance, dass Trump seine angekündigten Maßnahmen abmildert?
Darauf setzen einige Beobachter. Er hat in der Vergangenheit ja auch einige Maßnahmen verkündet und sie dann zumindest teilweise ausgesetzt oder verschoben. Das ist aber auch Teil des Problems.
Inwiefern?
Er schafft damit ein Klima der Verunsicherung und Konfusion, das sowohl den Unternehmen als auch den Verbrauchern schadet. Man schiebt Investitionen auf und wartet erst einmal ab, was passiert. Das belastet die Konjunktur.
Merkt man das schon an harten Daten?
Ja. In den USA ist das Verbrauchervertrauen im Februar auf den tiefsten Stand seit über 4 Jahren gesunken. Das heißt, die Konsumenten werden pessimistischer. Und aktuelle Umfragen unter Ökonomen lassen den Schluss zu, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession in den USA innerhalb der nächsten 12 Monate bei rund 36 Prozent liegt.
Hat die Börse auf die angekündigten Zölle reagiert?
Natürlich. Die Kurse der Autohersteller weltweit haben teilweise deutlich korrigiert. In Europa waren Kursrückgänge um die 5 Prozent in etwa die Norm.
Geht es dabei nur um potenzielle Absatzeinbußen?
Nein, das ist nur ein Teil des Problems. Natürlich haben die Freihandelsabkommen dazu geführt, dass Autos kostengünstig produziert werden konnten. Aber das heißt auch: Die Unternehmen haben riesige Summen in Produktionsstandorte außerhalb der USA gesteckt. Diese Investitionen könnten jetzt zum Mühlstein werden, die Gewinnprognosen der Hersteller werden sinken. Das führt fast zwangsläufig zu fallenden Aktienkursen.

Was will Trump mit all dem erreichen?
Vordergründig geht es ihm sicher um die Stärkung der US Produktionsstätten. Er will Arbeitsplätze in der (Auto-) Industrie in die USA zurückholen. Es gibt aber auch Stimmen, die meinen, das Timing der Ankündigung sei kein Zufall.
Warum?
Es könnte sein, dass er damit von der peinlichen Affäre rund um die Chats des US-Verteidigungsministeriums ablenken will. Ein Reporter wurde versehentlich in eine Signal-Gruppe aufgenommen, in dem sich hochrangige US Politiker über einen bevorstehenden Angriff auf Huthi-Milizen im Jemen ausgetauscht haben.
Und wie plant Europa zu reagieren? Gerade Deutschland hängt doch massiv am Tropf seiner Autoindustrie ….
Die EU hat zwar Gegenmaßnahmen in Aussicht gestellt, setzt aber vordergründig auf Verhandlungen. Dass der Handelsbilanzüberschuss Europas mit den USA massiv ist, bestreitet niemand. Im Vorjahr hat die EU knapp über 100 Milliarden Dollar mehr an Fahrzeugen und Maschinen in die USA exportiert als umgekehrt.
Wie reagiert die EU also?
Sie kündigte am Donnerstag eine "Reaktion" an, die werde "rechtzeitig, robust, gut abgestimmt und wirkungsvoll" sein, so ein EU-Sprecher. Termin und Inhalt stünden noch nicht fest. Die Rede ist von Mitte April.
Wie betrifft das Trump-Vorgehen Österreich?
Österreich gilt als klassisches Zulieferland vor allem der deutschen Autoindustrie. Laut Fachverband der Wirtschaftskammer hängen 354.000 Jobs direkt oder indirekt von diesem Markt ab. In Österreich gibt es über 900 Zulieferbetriebe an die Autoindustrie.

Welche Unternehmen sind gemeint?
Etwa Magna Steyr. Der Konzern von Gründer Frank Stronach hat Deals mit General Motors, BMW, Stellantis, Daimler oder Ford. Aber es kommen auch viele Fahrzeugkomponenten aus Österreich. Gurte (isi aus Wien) oder Glasfaserteile wie von der Polytec Group aus Oberösterreich.
Wie reagieren die Autohersteller auf die Sonderzölle?
Der weltweit viertgrößte Autokonzern Stellantis (Opel, Peugeot, Citroen, Fiat, Chrysler, usw.) unterstützt Trump ."Wir teilen das Ziel des Präsidenten, mehr amerikanische Autos zu bauen und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit ihm", erklärte das Unternehmen. Andere europäische Autohersteller wie Volvo kündigten an, die Produktion einiger Modelle in die USA zu verlagern.
Was es das dann mit den Zöllen?
Mitnichten. Am 2. April will Trump ein Paket an neuen Sonderzöllen präsentieren. Er spricht von einem "Tag der Befreiung". Auch das wird Europa wieder treffen, die EU-Kommission befürchtet Sonderzölle auf Lebensmittel und Medikamente. Trump wird uns noch länger beschäftigen.
Monika Rosen war mehr als 20 Jahre bei einer heimischen Großbank tätig, ist Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft und gefragte Spezialistin rund um alle Geldthemen