20 Prozent auf alles
Was die neuen Trump-Zölle für Europa und die Welt bedeuten
Jetzt ist einem internationale Handelskrieg Tür und Tor geöffnet. Im Garten des Weißen Hauses stellte Donald Trump am Mittwoch seine Steuerpläne vor. Die EU trifft es mit 20 Prozent auf alle Waren hart. "Aasfresser" nannte der US-Präsident die anderen Länder.

Mittwoch 16 Uhr Ortszeit in Washington, in Österreich ist es da schon 22 Uhr. Donald Trump erscheint unter mächtigen Fanfarenstößen im Rosengarten des Weißen Hauses. Er hält eine rote Kappe in der Hand, auf der MAGA steht, "Make America Great Again".
"Nettes Publikum, was für eine gutaussehende Gruppe", sagte er und dankte dem jubelnden und klatschenden Publikum. Dann fallen die Worte erstmals, die dem Tag ihre Symbolik geben sollen: "Heute ist der Tag der Befreiung", so Trump.
Wenig später hält der Präsident eine riesige Tafel in der Hand. Darauf sind die Zölle abgebildet, die Länder aktuell gegenüber den USA einheben. Daneben steht, was Amerika nun kassieren will. Nach der Symbolik hat der Tag auch sein Foto. Das müssen Sie über die Trump-Pressekonferenz wissen:
Was ist der Rosengarten?
Ein Gartenstück direkt vor dem Oval Office, 38 Meter lang, 18 Meter breit. Er wird immer wieder Veranstaltungen benutzt, denen der Präsident eine besondere Bedeutung verleihen will. Wichtige Pressekonferenzen, Empfänge bei Staatsbesuchen oder für Olympia-Teilnehmer, Trump kündigte hier den Ausstieg aus dem Klimaabkommen von Paris an.

Mag Trump den Rosengarten?
Eigentlich nicht. Vor zwei Wochen sorgte eine Ankündigung von ihm in den USA für Aufregung. Er überlege, sagte er in einem Fox-Interview, den historischen Rosengarten pflastern zu lassen, um ihm so das Patio-Ambiente seines Clubs in Florida zu verleihen. Wenn es regne, sei der Rasen mit High Heels unbenutzbar. Dabei hatte seine Ehefrau Melania das Stück erst 2020 komplett neu gestalten lassen.
Wie begann die Pressekonferenz?
Mit einer Mischung aus Beschimpfungen (der anderen) und Lob (für seine eigenen Pläne). Trump sprach von einem "Tag der Befreiung" und von der "Wiedergeburt" der amerikanischen Industrie. "Ausländische Aasfresser haben uns unseren amerikanischen Traum zerstört. Unser Land wurde 50 Jahre lang betrogen. Das wird nicht mehr passieren."
Was nannte er als Gründe für die Sondersteuern?
Er wolle "Billionen und Aberbillionen Dollar für die Tilgung unserer Steuern zu verwenden“, sagte er. "Arbeitsplätze und Fabriken werden in unser Land zurückkehren", fügte er an, immer wieder bejubelt durch die Zuschauer.
Was hatte es mit den Tafeln aus sich?
Taferln werden gerne von Österreichs Politikern in TV-Duellen eingesetzt. Auch Trump hatte diesmal zwei Tafeln mit, eine hielt er selbst, die andere Handelsminister Howard Lutnick. Darauf abgebildet: 49 Länder plus die EU, von China bis Marokko.
Was war auf den Tafeln zu sehen?
In einer blau hinterlegten Spalte waren die Zölle zu lesen, die von den jeweilen Ländern derzeit auf US-Produkte eingehoben werden, in einer zweiten gelb hinterlegten Spalte waren die Zölle angeführt, die von den USA nun eingehoben werden sollen. "Reziproke Zölle" nannte Trump das.

Was ist damit gemeint?
Eine Art Vergeltungsmaßnahme und so werden sie von Trump auch argumentiert. Er "bestraft" andere Länder, weil sie derzeit höhere Zölle auf US-Importe einheben.
Da kam die EU in Spiel, oder?
Ja, die Europäische Union steht auf der Trump-Tafel gleich an zweiter Stelle und der US-Präsident nannte sie auch als negatives Beispiel. "Bis heute heben die USA 2,5 Prozent Zölle auf ausländische Autos ein. Die EU erhebt 20 Prozent Zölle", sagte er.
Für wen gelten die neuen Zölle?
Für alle Länder der Erde, aber nicht alle werden gleich stark belangt. Es gibt eine Art "Basislinie" von 10 Prozent, die fallen mindestens bei Exporten in die USA an.
Wer kommt mit einem blauen Auge davon?
Großbritannien etwa. Das Königreich bekommt nur einen Extra-Zollsatz von 10 Prozent aufgebrummt. Gründe: Die Briten heben geringere Zölle als die EU für US-Waren ein. Und Premierminister Keir Starmer hatte mit geschickter Diplomatie (und zwei US-Besuchen) in den vergangenen Wochen gute Stimmung für sein Land in Washington gemacht.
Wie trifft es die anderen?
Ziemlich. Einzelne Länder wie Kambodscha (49 Prozent Sonderzoll) oder Vietnam (46 Prozent) stechen heraus. Aber auch China muss 34 Prozent schlucken, die Schweiz 31 Prozent. Auf Waren aus China gilt nun ein Zollsatz von 54 Prozent, die 34 Prozent kamen zu den bisherigen 20 Prozent dazu.

Und die EU?
Sie wurde mit Sonderzöllen von 20 Prozent belegt. Für die Wirtschaftsentwicklung ist das ein schwerer Schlag.
Was kommt nun?
Schon in der Nacht auf Donnerstag traten die Auto-Sonderzölle in Kraft. Auf alle im Ausland hergestellten Fahrzeuge wird ein Sonderzoll von 25 Prozent eingehoben, zusätzlich zu den derzeitigen 2,5 Prozent also. Die Sondersteuer auf Fahrzeugteile folgt einen Monat später. "In vielen Fällen ist der Freund im Handelsbereich schlimmer als der Feind", begründete Trump die Maßnahme.
Ab wann gelten die restlichen Sonderzölle?
Länder, die vom "Basiszoll" von 10 Prozent betroffen sind, müssen die Abgaben ab kommenden Samstag entrichten. Für alle anderen, also auch für die EU-Staaten, tritt die neue Regelung am Mittwoch, 9. April, in Kraft.
Sind die USA jetzt fein raus?
Mitnichten, auch in den USA wird es zu einer Teuerungswelle kommen. Sollte das Kalkül von Trump aufgehen, Produktionen wieder ins eigene Land zu verlagern und seine Wirtschaft aufzupumpen, dann wird das nicht von heute auf morgen passieren.

Was heißt das in der Praxis?
Vieles, was importiert wird, kostet nun mehr. Und: Weil viele Unternehmen globale Lieferketten haben, wird es kompliziert. Das werden auch große US-Unternehmen spüren.
Wie?
Die New York Times stellte das anhand von Apple dar. Der Konzern verlagerte in den vergangenen Jahren die Produktion von iPads und AirPods zunehmen nach Vietnam und die von iPhones nach Indien. Vietnam bekommt nun einen Sonderzoll von 46 Prozent, Indien von 26 Prozent. 90 Prozent der iPhones aber kommen noch immer aus China – nun mit einem Sonderzoll von 34 Prozent belegt.
Was passierte nach der Verlautbarung?
Trump unterzeichnete noch im Rosengarten die "Executive Order" zu den Sonderzöllen. Dann ertönten wieder die Fanfaren, der US-Präsident ging ins Weiße Haus zurück.
Was waren die unmittelbaren Auswirkungen am Geldmarkt?
Der Dollar schwächte sich gegenüber dem Euro weiter ab. Die Reaktion der Börsen wird man erst am Donnerstag sehen. Trump hat die Rede absichtlich erst nach 16 Uhr gehalten, das hatten die US-Börsen schon geschlossen.
Was sind die längerfristigen Folgen?
Die Maßnahme wird dem Welthandel schweren Schaden zufügen. Das betrifft auch die EU und Österreich. Wer in die USA exportiert, muss nun höhere Abgaben zahlen. Es ist zu erwarten, dass die Unternehmen die höheren Kosten an die Kunden weiterreichen. Das macht Waren teurer und heizt die Inflation an.

Wie reagierte die Welt?
Mit Ablehnung und Enttäuschung. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die zu Trump ein gutes Verhältnis pflegt, nannte die Zölle "falsch". Australiens Premierminister Anthony Albanese sagte, die Entscheidung von Präsident Trump, Zölle zu erheben, sei "nicht die Tat eines Freundes“.
Wie reagiert die EU?
Sie hatte vorab eine "scharfe Reaktion" angekündigt, ohne ins Detail zu gehen. Der Vorschlag für eine Vergeltung könnte von der EU-Kommission kommen. Es ist nicht die Zustimmung aller Länder nötig, es genügt eine qualifizierte Mehrheit von 15 EU-Mitgliedsstaaten, die zugleich 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. Man sollte nicht vergessen: Europa ist technologisch von den USA abhängig.
Ist ein Handelskrieg vermeidbar?
Vorerst schwer vorstellbar, aber Trump hat eine Hintertür geöffnet. Die Zölle würden nur dann gesenkt werden, sagte er, wenn die anderen Länder aufhören, hohe Zölle auf US-Waren einzuheben.
Was heißt das?
Wenn die EU klug sein will, setzt sich sich an den Verhandlungstisch!