"The Electric State"

320 Millionen: Was kann der teuerste Netflix-Film aller Zeiten?

Im Streaming-Blockbuster "The Electric State" stehen Millie Bobby Brown und Chris Pratt denkende und fühlende Roboter zur Seite. Sie begleiten die Stars durch eine von einem Krieg zerstörte Welt. Das klingt weit schlechter, als es letztlich ist. Ab sofort auf Netflix.

Der einer Zeichentrickfigur nachempfundene Roboter Cosmo offenbart Michelle (Millie Bobby Brown), das das Bewusstsein ihres tot geglaubten Bruders in ihm ist: "The Electric State"
Der einer Zeichentrickfigur nachempfundene Roboter Cosmo offenbart Michelle (Millie Bobby Brown), das das Bewusstsein ihres tot geglaubten Bruders in ihm ist: "The Electric State"
™/© 2024 Netflix. Used with permission
Christian Klosz
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Dass "The Electric State" überhaupt bei Netflix landete, war reiner Zufall: Die Brüder Anthony und Joe Russo, schon bisher bekannt für ebenso bombastisches wie erfolgreiches Blockbuster-Kino (mehrere Marvel-Filme wie etwa "Avengers: Endgame"), sicherten sich die Rechte an der zugrunde liegenden Graphic Novel bereits 2017.

Ursprünglich war ein Kino-Start via Universal Pictures geplant, doch das Studio wollte dann doch lieber auf den Film verzichten. Also wanderten die Filmrechte 2022 weiter zu Netflix, das mit den Russo-Brüdern schon zuvor bei "The Gray Man" kollaboriert hatte.

Der frühere Soldat Keats (Chris Pratt) bietet Michelle an, sie bei ihrer gefährlichen Suche nach ihrem Bruder zu begeiten
Der frühere Soldat Keats (Chris Pratt) bietet Michelle an, sie bei ihrer gefährlichen Suche nach ihrem Bruder zu begeiten
Paul Abell/Netflix ©2025

Teuer ist wirklich teuer Doch vor der Veröffentlichung des Films sorgten nicht nur die exorbitanten Entstehungskosten für Gesprächsstoff.  Mit kolportierten 320 Millionen Dollar ist "The Electric State" nicht nur die teuerste Netflix-Produktion aller Zeiten, sondern rangiert aktuell auf Platz 13 der Liste der teuersten Filme überhaupt.

Medien-Hatz auf Hauptdarstellerin Zusätzlich machten auch fragwürdige Kommentare über Hauptdarstellerin Millie Bobby Brown die Runde. Die gerade einmal 21-jährige Schauspielerin, die ihren Durchbruch als 12-Jährige mit der 1980er-Revival-Serie "Stranger Things" (ebenfalls auf Netflix) schaffte, musste sich mit üblem Body Shaming herumquälen.

Gemeinsam mit Keats und seinem Roboter-Kumpel Herman machen sich Michelle und Cosmo schließlich auf
Gemeinsam mit Keats und seinem Roboter-Kumpel Herman machen sich Michelle und Cosmo schließlich auf
™/© 2024 Netflix. Used with permission.

Body Shaming gegen Millie Bobby Brown Bei der Premiere von "The Electric State" hätte Millie Bobby Brown "verändert" ausgesehen, hieß es, mindestens 10 bis 20 Jahre älter, als sie eigentlich ist. Die Presse spekulierte über Schönheits-OPs und Botox, auch angebliche gesundheitliche Probleme standen im Raum. Die gebürtige Britin wehrte sich in einem Video-Statement und verwies darauf, dass sie eben kein Kinderstar mehr sei und eine Veränderung ihres Aussehens völlig natürlich.

"Nebelkerzen" für "The Electric State"? All die Diskussionen sorgten schließlich dafür, dass der Film selbst bei weitem nicht die Aufmerksamkeit erhielt, die er aufgrund seiner Größe und seiner Kosten eigentlich hätte haben sollen. Absicht? Wer weiß …

Aufstand der Maschinen Doch wovon handelt der Film eigentlich? "The Electric State" erzählt von einer fiktiven Vergangenheit, in der Anfang der 1990er-Jahre Roboter einen Krieg gegen die sie ausbeutenden Menschen anzettelten. Sie entwickelten ein eigenes Bewusstsein und begannen, sich gegen den ihnen zugedachten Status als "Wesen zweiter Klasse" und ohne Rechte zu wehren.

Internierungslger für Androiden Der Tech-Mogul Ethan Skate (Stanley Tucci) entwickelt mit seiner Firma in dieser Situation schließlich eine neue Technologie, die den Menschen die Steuerung der Roboter ermöglicht, wodurch der Krieg gegen sie gewonnen werden kann. Die besiegten Androiden werden in großen Lagern weggesperrt.

"The Electric State" spielt in den 1990er-Jahren, allerdings in einer alternativen Realität
"The Electric State" spielt in den 1990er-Jahren, allerdings in einer alternativen Realität
™/© 2024 Netflix. Used with permission.

Eine Waise auf der Suche nach Anschluss Die junge Michelle (Millie Bobby Brown) hat in den Kriegsjahren ihre Eltern und ihren Bruder Christopher verloren, ist nun in der Obhut des Staates und kommt mit ihrem Leben zwischen Schule und cholerischem Pflegevater nur schlecht zurecht. Eines Tages bekommt sie Besuch von einem witzig aussehenden "Bot", der behauptet, ihr für tot gehaltener Bruder zu sein, oder zumindest sein Bewusstsein zu beherbergen.

Mein Bruder ist ein Roboter Er teilt ihr mit, dass er echte Christopher noch lebt und dass ein dubioser Arzt (Ke Huy Quan) über seinen Verbleib Bescheid weiß, sich aber in einer gefährlichen, abgeriegelten Roboter-Gegend verschanzt. Michelle und der Christopher-Bot machen sich daher auf die Suche, bei der sie auf den Ex-Soldaten Keats (Chris Pratt), der sich als Schwarzmarkthändler über Wasser hält, stoßen. Er und sein Roboter-Kumpel schließt sich den beiden an.

Mixed-up Dream Team: Herman, PopFly, Mr. Peanut, Michelle (Millie Bobby Brown), Penny Pal und Keats (Chris Pratt)
Mixed-up Dream Team: Herman, PopFly, Mr. Peanut, Michelle (Millie Bobby Brown), Penny Pal und Keats (Chris Pratt)
™/© 2024 Netflix. Used with permission.

Gefährliche Suche Die Reise des ungleichen Quartetts führt sie durch vom Krieg zerstörte und verlassene Gegenden, aber auch in eine kleine Roboter-Enklave, in sich auch der Anführer des Androiden-Aufstandes, Mr. Peanut (gesprochen im Original von Woody Harrelson), versteckt. Als sich ein von Tech-Mogul Skate beauftragter Militärschlächter an ihre Fersen heftet, sagt Mr. Peanut den Vieren seine Unterstützung bei der Suche nach Christopher zu …

Ein Flop mit Anlauf? Als hätte "The Electric State" nicht schon vor seinem Release für genug negative Schlagzeilen gesorgt, machen nun wilde Verrisse die Runde, die den Film als absoluten Mega-Flop betiteln. Bei Rotten Tomatoes hält er bei gerade einmal 15 Prozent positiven Kritiker-Bewertungen – für einen 320 Millionen Dollar teuren Film eine Katastrophe. Allerdings: Beim Publikums-Rating liegt "The Electric State" mit 74 Prozent gar nicht so schlecht.

Falls sich wer fragt, wofür 320 Millionen Dollar ausgegeben wurden – Voilà!
Falls sich wer fragt, wofür 320 Millionen Dollar ausgegeben wurden – Voilà!
™/© 2024 Netflix. Used with permission.

Familienunterhaltung Das zeigt schon, wie zweigeteilt die Filmwelt in Sachen "The Electric State" derzeit ist. Und man muss sagen: So übel, wie viele Kritiker tun, ist der Film bei weitem nicht. Natürlich werden Freunde anspruchsvoller Arthouse-Dramen keine Freude haben. Aber als Mischung aus Science Fiction, Actionfilm, Komödie und Familienunterhaltung funktioniert das Endergebnis ganz gut.

Albern und liebenswert Dafür sorgt eine liebenswürdige Albernheit, die den ganzen Film durchzieht. Und die sich gerade in der Umsetzung der Roboter offenbart: Hier zeigt sich eine Nähe zu Steven Spielberg-Produktionen wie "Jurrasic Park" oder "E.T.", ohne  deren Qualität zu erreichen. Und neben den durchwegs gelungen umgesetzten mechanischen Geschöpfen in "The Electric State" verblassen die menschlichen Darsteller, seien es Millie Bobby Brown, Chris Pratt oder Stanley Tucci, ziemlich, aber was soll's.

Weiß angeblich, wo Michelles Bruder Christopher steckt: der dubiose Arzt Dr. Amherst (Ke Huy Quan)
Weiß angeblich, wo Michelles Bruder Christopher steckt: der dubiose Arzt Dr. Amherst (Ke Huy Quan)
Paul Abell, ©2024 Netflix, Inc.

Belangloser Unterhaltungsfilm Eine große Tiefe sollte man von der eher oberflächlichen Geschichte des Films nicht erwarten. Aber die ist ohnehin nur Vorwand für eine abenteuerliche Heldenreise, nämlich die Suche nach dem verlorenen Bruder. Relevante Themen wie die Frage nach der Co-Existenz von Mensch und Machine werden nur angerissen, aber nie wirklich thematisiert. Wer sich einen neuen "Blade Runner" erwartet, wird enttäuscht werden.

Fazit Wer nicht zu viel erwartet, wird von dem Blockbuster positiv überrascht: "The Electric State" ist ein inhaltlich zwar eher dünner, aber dafür herziger Abenteuerfilm für die ganze Familie, der zum gemeinsamen Filmabend einlädt und eine willkommene Auszeit von der  Wirklichkeit bieten kann. In die Filmgeschichte wird das Werk nicht eingehen, aber gnadenlose Verrisse hat es sich auch nicht verdient.

"The Electric State", USA 2025, 128 Minuten, ab sofort auf Netflix

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