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Alle neuen Kinofilme: Das lässt ihr Herz jetzt höher schlagen
Diese Woche im Kino: Sechs neue Filme, von "Beating Hearts" bis "Riff Raff". Wovon sie handeln, wer mitspielt, ob sich das Anschauen lohnt. Und ein neuer Film, für den Sie gar nicht außer Haus gehen müssen, um ihn zu sehen.

Manchmal kann es beglückend sein, ins Kino zu gehen. Diesmal ist das Glück selbst Thema auf der Leinwand. Der Film "Agent of Happiness" geht der Frage nach, warum die Leute in Bhutan so verdammt gut drauf sind. Also angeblich. Der Blick hinter die Fassade rückt das Bild etwas zurecht, aber sehen Sie selbst.
Sechs Filme buhlen in dieser Woche um die Aufmerksamkeit der Kinofans, für alle Vorlieben ist was dabei. Action, Liebe, Zeichentrick. Das müssen Sie über das neue Kino-Angebot wissen:

"Beating Hearts"
Worum es geht Jackie und Clotaire verbindet auf den ersten Blick wenig: Sie eine kluge junge Frau aus (klein-)bürgerlichen Verhältnissen, in der Schule erfolgreich, trotz des frühen Todes ihrer Mutter bei ihrem Vater behütet aufgewachsen; er aus dem Arbeitermilieu, ein Rumtreiber und Kleinkrimineller, Gewalt zu Hause wie in seinem Alltag auf der Tagesordnung.
Der Beginn ihrer wilden Amour Fou ist ein erstes Aufeinandertreffen auf dem Schulhof: Jackie steigt aus dem Schulbus, davor lungern Clotaire und seine Kumpels herum und gehen die Schulkids blöd an. Auch Jackie wirft er eine Bemerkung nach, ob sie denn glaube, etwas Besseres zu sein. Doch sie ist nicht auf den Mund gefallen, schlagfertig und hat keine Angst vor dem rüden Draufgänger, im Gegenteil. Blicke werden ausgetauscht - und schon ist es um die beiden geschehen.
Die junge Liebe floriert, doch die Lebenswege der beiden trennen sich: Jackie will studieren, Teil der Gesellschaft sein, während Clotaire immer weiter ins Kriminelle abrutscht. Schließlich landet er im Gefängnis, wo er 12 Jahre verbringen muss, noch dazu für eine Tat, die er nicht begangen hat. Ihre Liebe geht durch äußere Umstände in die Brüche, Jackie lebt ihr Leben weiter, arrangiert sich in einer bequemen, aber leidenschaftslosen Ehe mit einem anderen. Trotzdem sehnt sie sich nach Clotaire, "dem Einen".
Erst Jahre später, als er entlassen wird, sehen sie einander wieder: Ist es jetzt zu spät?
Weshalb es sich lohnt Die Reaktionen auf Gilles Lellouches beinahe 3-stündiges Liebes-Epos könnten unterschiedlicher nicht sein: Bei seiner Premiere in Cannes 2024 war "Beating Hearts" (OT: "l'Amour Ouf") bei vielen Kritikerspiegeln der am schlechtesten bewertete Film des Wettbewerbs, in Besprechungen wurde er geradezu verrissen. Zugleich hatte er in Frankreich beim regulären Kinostart über fünf Millionen Besucher, war also kommerziell höchst erfolgreich und zudem für 13 Cesars (französischer Filmpreis) nominiert.
Das Publikum liebte die Mischung aus klassischer "Romeo und Julia-Romanze", Drama und Thriller mit Musical-Sequenzen, weshalb die Kritik den Film derart ablehnte, erschließt sich nicht ganz: Lellouche trägt schon dick auf, mit 35 Millionen Budget ist halt einiges möglich. Aber die Kreativität und Virtuosität der Inszenierung, der Einfallsreichtum bei der Umsetzung sprechen für sich.
Fürs Nostalgie-Feeling gibt es 80s-Sound mit Hits von The Cure, New Order und Madonna, getragen wird der Film von pulsierender Energie, die sich in seinen zentralen Sujets "Liebe" und "Gewalt" entlädt. Das Ergebnis ist ein wilder, umgestümer Bilderrausch voller intensiver Gefühle, der sich in seiner Machart positiv von den typischen Teenie-Romanzen abhebt. Nun zum deutschsprachigen Kinostart erscheinende Kritiken bewerten "Beating Hearts" übrigens um einiges positiver.
"Beating Hearts", Drama, Romanze, Frankreich/Belgien 2024, 160 Minuten, Ab 27. März im Kino

"Agent of Happiness"
Worum es geht Als einziges Land der Welt erhebt der asiatische Kleinstaat Bhutan regelmäßig das "Bruttoglücksprodukt" der Bevölkerung: In Umfragen werden die Bürger des Landes zu ihrem psychischen Wohlbefinden befragt, die Politik nimmt die Ergebnisse durchaus ernst und richtet Reformen danach aus.
"Agent of Happiness" begleitet einen der Beamten, der die Interviews führt, bei seiner Tätigkeit: Zwischen Tür und Angel, in freier Natur, zuhause auf dem Sofa befragen er und sein Kollege ihre Landsleute danach, wie ihr Leben läuft. Was sie haben und brauchen. Und ob sie glücklich sind.
Weshalb es sich lohnt Die Dokumentation porträtiert eine ferne Kultur, die nicht nur durch die räumliche Distanz "fremd" erscheint: Dass Bhutan das "Glück der Bevölkerung" zum höchsten Maßstab erhebt, ist in der Welt einmalig. "Agent of Happiness" zeigt, dass "Glück" sehr individuell ist und auch mit persönlicher Wahrnehmung zu tun hat: Viele der Befragten leben selbst in ärmlichen Verhältnissen, empfinden ihr Leben aber als "glücklich", etwa aufgrund scheinbarer Banalitäten wie der Geburt eines Milchkalbs.
Absurd wird es, als ein älterer, finanziell gut situierter Kerl mit seinen 4 Frauen vor der Kamera sitzt und erklärt, warum die Vier mit ihm allesamt äußerst glücklich wären (weil er so ein toller Kerl ist). Seine 4 Frauen sitzen betreten schweigend daneben, eine von einen beginnt zu weinen.
Besonders sichtbar wird die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit in jenen Passagen, in denen der "Glücksbeamte" erklärt, warum er in seinem eigenen Leben alles andere als glücklich ist - weil er nämlich keine Frau findet, um eine Familie zu gründen. Eine solide umgesetzte Doku mit äußerst spannenden Einblicken in eine fremde Kultur, deren Inhalt Anregung für Diskussionen bietet.
"Agent Of Happiness", Dokumentation, Bhutan 2024, 94 Minuten, ab 28. März im Kino

"Riff Raff"
Worum es geht Vincent führt auf seine alten Tage gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Sandy und ihrem Sohn DJ ein zufriedenes Leben. In ihrem abgelegenen Ferienhaus wollen sie gemütlich das Jahresende feiern. Doch als plötzlich mitten in der Nacht Vincents Sohn Rocco aus erster Ehe mit seiner hochschwangeren Freundin auftaucht, ist es um die Silvesterruhe geschehen.
Im Schlepptau hat er außerdem Vincents Exfrau Ruth. Er ahnt Böses und soll Recht behalten: Rocco wird von Mafiaboss Leftie und seinem Handlanger Lonnie verfolgt, da Rocco Lefties Sohn in einer Auseinandersetzung versehentlich getötet hat - und nun will er Rache.
Weshalb es sich lohnt "Riff Raff" (ein Slang-Begriff für Pöbel, Gesindel) ist eine hochkarätig besetzte, schwarze Krimi-Komödie über Geister der Vergangenheit, die das beschauliche Leben einer gut situierten Patchwork-Familie durcheinander bringen. Mit Ed Harris, Bill Murray, Pete Davidson, Lewis Pullman und Jennifer Coolidge lässt Regisseur Dito Montiel eine ganze Riege Topstars antanzen, die durch die Bank überzeugen.
Getragen wird der Film von seinem morbiden Humor, gut geschriebenen Dialogen und einer wendungsreichen Handlung, was sich kombiniert in einem hohen Unterhaltungswert niederschlägt. Ein Indie-Geheimtipp, der vor allem Fans der Coen-Brüder überzeugen dürfte.
"Riff Raff", Schwarze Krimi-Komödie, USA 2024, 103 Minuten, ab 27. März im Kino

"Louise und die Schule der Freiheit"
Worum es geht Die Pariser Lehrerin Louise Violet wird 1889 aufs Land geschickt, um in einem rückständigen Dorf eine Schule zu eröffnen. Die französische Republik will, dass auch Bauernkinder moderne Bildung erhalten. Aber die Dorfbewohner sind von der Fremden und ihrem Vorhaben alles andere als begeistert: Die Kinder werden als Arbeitskräfte bei der Ernte gebraucht, für Schule und Lernen ist da keine Zeit.
Einen Unterstützer findet Louise im Bürgermeister, der zwar nur ein knappes Gehalt bieten kann, aber erkennt, welchen Fortschritt Schulbildung für alle bedeutet. Nach und nach kann er auch die Eltern überzeugen, der klugen und gebildeten Frau aus der Großstadt eine Chance zu geben. Doch die trägt selbst ein Geheimnis mit sich, das ihren idealistischen Kampf in Frage stellt.
Weshalb es sich lohnt Der französische Regisseur Eric Besnard widmete sich in seinen letzten Filmen ("A la carte!", "Die einfachen Dinge") kulinarischen Genüssen, in "Louise und die Schule der Freiheit" geht es um aufklärerische Ideale, Bildung und damit verbundene (geistige) Freiheit, fraglos ein wieder aktuelles Thema unserer Gegenwart.
Kontinuität beweist Besnard in seinem Faible für schöne Bilder, die malerischen Landschaften der Provinz sind eines der Highlights des Films, der Märchenhaftes mit einem flammenden Plädoyer für Aufklärung und Bildungsgerechtigkeit verbindet.
"Louise und die Schule der Freiheit", Tragikkomödie, Historisches Drama, Frankreich 2024, 108 Minuten, ab 28. März im Kino

"Otto Lechner - Der Musikant"
Worum es geht Der 1964 in Melk geborene Akkordeonspieler und Komponist Otto Lechner gilt als musikalisches Genie: Er vermengt mühelos Genres wie Jazz, World Music, Schlager und österreichische Liedermacherei zu eigenständigen Kunstwerken, stets versehen mit seinem unverkennbaren Stil. Der Dokumentarfilm von Bernhard Pötscher begleitet den seit seiner Jugend blinden Künstler durch seinen Alltag, lässt ihn seine Lebensweisheiten und -philosophien zum Besten geben, über die Musik allgemein sinnieren.
Viele der Gespräche sind auf Zugreisen aufgenommen, wohl auch symbolisch für die Rastlosigkeit des Protagonisten, der sich stets "zwischen den Welten" befindet. Ergänzt werden die Gespräche durch ausgedehnte Konzertaufnahmen, die dem Publikum das Schaffen des Künstlers näher bringen.
Für wen es sich lohnt Lechners Kunst ist nicht für jedermann/-frau geeignet, aber wer Interesse an Avantgarde, experimenteller und origineller Musik hat - und an eigenwilligen Künstlerpersönlichkeiten -, wird auch "Otto Lechner - Der Musikant" spannend finden. Music Austria nennt den Protagonisten "eine der bedeutendsten und profiliertesten österreichischen Musikerpersönlichkeiten der Gegenwart", der Film erfüllt also auch einen Bildungsauftrag, denn Lechner ist bisher nur Experten ein Begriff.
Für musikalisch weniger Interessierte gibt es Anekdoten über das Künstlerleben zwischen kreativem Rückzug und Publikumsbeifall, alles durch Lechners Humor aufgelockert. Auf die Frage, warum er immer noch Musik mache, meint er selbstironisch, er habe bisher halt noch nichts Besseres gefunden.
"Otto Lechner - Der Musikant", Musik-Dokumentation, Österreich 2025, 100 Minuten, ab 28. März im Kino

"Nina und das Geheimnis des Igels"
Worum es geht Die zehnjährige Nina wird jeden Abend von ihrem Vater ins Bett gebracht. Und jeden Abend erzählt er ihr Gute-Nacht-Geschichten, deren Protagonist ein kleiner Igel ist. Als die Fabrik, in der der Vater arbeitet, geschlossen wird, verliert er seine Arbeit, was nicht spurlos an der Familie vorbeigeht: Das Geld wird knapp, der Urlaub wird gestrichen – und Papa hadert mit seinem Schicksal.
Für Igel-Geschichten bleibt da keine Kraft mehr. Da erfährt Nina, dass der ehemalige Manager der Fabrik Geld abgezweigt haben und das in der Umgebung versteckt haben soll. Kurzerhand macht sie sich mit ihrem Freund Mehdi und dem imaginären Igel auf Schatzsuche: Die Hobbydetektive wollen das Geld finden – und es an die entlassenen Arbeiter zurückgeben.
Weshalb es sich lohnt "Nina und das Geheimnis des Igels" nimmt sich eines ernsten Themas an - Arbeitslosigkeit -, bereitet es aber so auf, dass es für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen zugänglich und interessant ist. Animationstechnisch gibt es Luft nach oben, doch die Message des Films überzeugt ebenso wie der liebevoll gestaltete Igel als fabel-hafter Begleiter. Empfohlen von der Deutschen Jugendfilmjury der Film- und Medienbewertungsstelle.
"Nina und das Geheimnis des Igels", Animation, Kinderfilm, Frankreich 2025, 82 Minuten, ab 28. März im Kino

Neu im Heimkino: "Panda Plan"
Worum es geht Action-Star Jackie Chan (in einer fiktionalisierten Version seiner selbst) dreht gerade seinen neuesten Film. Nach Abschluss der Dreharbeiten stehen Freizeit- und PR-Aktivitäten auf dem Plan, sein Assistent schlägt ihm allerlei vor: Die Eröffnung des somalischen Film-Festivals, eine House Warming-Party bei Sylvester Stallone und so weiter, doch der Star hat keine Lust.
Groß werden seine Ohren und Augen erst, als er von der Präsentation eines neuen Pandababys hört, die im lokalen Zoo stattfinden soll: Chan will dabei sein, er will sogar eine Patenschaft übernehmen. Doch kurz nach der Veranstaltung entert ein internationales Verbrecher-Syndikat die Bühne, das den kleinen Bären entführen will, er soll Millionen wert sein. Nun obliegt es Jackie Chan, zu zeigen, ob seine Kampfkünste reines Schauspiel sind, oder sie tatsächlich etwas taugen: Er muss den entführen Panda zurückbringen.
Weshalb es sich lohnt "Panda Plan" ist eine chinesische Produktion, die letzten Herbst dort anlief, bei uns wird der Film nur im Heimkino veröffentlicht. Stil und Humor sind etwas gewöhnungsbedürtig, aber durchaus interessant, die Synchronisation hat leider hörbare Schwächen. Doch als harmlose, gutherzige Action-Komödie für die ganze Familie funktioniert der Film ziemlich gut.
Man darf sich nichts großartig Innovatives oder Anspruchsvolles erwarten, aber unbeschwerten Unterhaltungswert kann man "Panda Plan" keineswegs absprechen. Und Jackie Chan zeigt, dass er auch im inzwischen stolzen Alter von 70 Jahren noch einiges drauf hat. Für Fans der Martial Arts-Ikone ohnehin ein Pflichtfilm.
Heimkino-Tipp: "Panda Plan", Action-Komödie, China 2024, ab 28. März auf DVD/BluRay und als Video-on-demand bei diversen Anbietern