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Bei diesen Kinofilmen sollten Sie diese Woche Ihr Zelt aufschlagen
Diese Woche neu im Kino: Acht Filme, von Ron Howards Aussteigerdrama "Eden" bis zur Klima-Dystopie "The Assessment". Worum es geht, ob sich die Kinokarte lohnt. Und der letzte Film einer echten Hollywood-Legende, der direkt als VOD zu uns kommt.

Das Regiedebüt einer österreichischen Schauspiel-Größe, eine subversive Klima-Dystopie, eine Aussteiger-Saga aus der Zwischenkriegszeit und ein sensibles Gefängnis-Drama aus den USA: Diese Filme starten in dieser Woche neu in den österreichischen Kinos. Drama, Freundschaft und Verzweiflung – Emotionen pur also. Das müssen Sie über das Kino-Angebot der Woche wissen:

"Eden"
Worum es geht Enttäuscht von den Gegebenheiten in Deutschland im Jahre 1929 – Nachwehen des 1. Weltkriegs, Aufstieg der Nazis – und allgemein in Opposition zu "bürgerlichen Idealen", wandert Dr. Friedrich Ritter (Jude Law) mit seiner Lebensgefährtin Dora Strauch (Vanessa Kirby) auf die unbewohnte Pazifik-Insel Floreana aus. Sie wollen sich dort ihr eigenes, kleines Paradies erschaffen und Ritter will an seinen philosophischen Schriften arbeiten.
Doch die einsiedlerische Ruhe kommt vor dem Sturm: Zeitungsberichte in der alten Heimat locken weitere Aussteiger Richtung Floreana, so auch das Ehepaar Wittmer (Daniel Brühl, Sidney Sweeney) und die selbsternannte Baronin Eloise Bosquet de Wagner Wehrhorn (Ana de Armas) mit ihren beiden Dienern / Liebhabern. Mit ihrer Ankunft ist es endgültig vorbei mit der Utopie: Konflikte zwischen den Inselbewohnern eskalieren und die neue Heimat wird bald zur Alptraum-Insel.
Weshalb es sich lohnt "Eden" basiert auf einer wahren Geschichte: Um 1930 entstand auf den Galapagos-Inseln in Ecuador tatsächlich eine kleine, deutsche Auswanderer-Community. Regisseur Ron Howard (u.a. "Apollo 13") konnte für seinen historischen Survival-Thriller ein beachtliches All-Star-Ensemble versammeln, zu dem sich auch der Österreicher Felix Kammerer ("Im Westen nichts Neues") gesellt.
Der Trailer verspricht jede Menge Spannung und Thrill, bei Ron Howard ist solch ein Stoff in der Regel auch in den richtigen Händen. Erste Kritiken attestieren "Eden" zwar manche dramaturgische Schwäche, doch auch eine packende Geschichte über einen idealistischen Traum, der als absolute Dystopie endet.
"Eden", Abenteuer, Thriller, USA 2024, 129 Minuten, Ab 3. April im Kino

"The Assessment"
Worum es geht Der Klimawandel hat die Erde weitgehend unbewohnbar gemacht. Ein Teil der Menschheit hat sich selbst – unter Auferlegung detaillierter Überlebens-Regeln – unter einem riesigen "Dome" abgeschottet. Auch die Möglichkeit der Fortpflanzung ist strengster Reglementierung durch die Verwaltung unterworfen, Paare, die Eltern werden möchten, müssen sich einer eingehenden Bewertung - dem "Assessment" - unterziehen.
Aaryan (Himesh Patel) und Mia (Elisabeth Olsen) lieben sich, (über)leben schon viele Jahre in einem bunkerähnlichen, aber nobel ausgestatteten Zuhause in karger Wüstenlandschaft – und wünschen sich nichts mehr als ein Kind. Doch die ihnen für 7 Tage zugeteilte Gutachterin Virginia (Alicia Vikander) stellt ihre Geduld auf eine harte Probe: Sie testet als "fiktive Tochter" die Elternqualitäten des Paares – und stellt durch allerlei Grenzüberschreitungen schließlich sogar ihre Beziehung in Frage.
Weshalb es sich lohnt "The Assessment" ist eine hochintelligente, subversive Dystopie, die sich nicht nur mit möglichen gesellschaftlichen Antworten auf die Klimakatastrophe auseinandersetzt, sondern auch mit anderen Fragen unserer Gegenwart. Reflektiert wird die Möglichkeit von Parallelgesellschaften, um das Überleben der Menschheit zu sichern, außerdem die Notwendigkeiten und Grenzen staatlicher Macht und Eingriffe zum Schutz der Bevölkerung.
Der bemerkenswerteste Kniff von Debüt-Regisseurin Fleur Fortune ist aber, dass ihr Film keine Antworten gibt, sondern den Mut hat, äußerst beunruhigende Fragen zu stellen und sie unbeantwortet zu lassen. Damit gelingt es "The Assessment" wie wenigen anderen aktuellen Filmen, den durch Krisen und Unsicherheit geprägten Zeitgeist einzufangen. Das Ende ist ein Sturz in schwärzeste Tiefe, der das Publikum – in bester New Hollywood-Tradition – ratlos wie rastlos zurücklässt.
"The Assessment", Science Fiction, Psycho-Drama, Deutschland / USa / Großbritannien 2024, 114 Minuten, ab 3. April im Kino

"Altweibersommer"
Worum es geht Die Middle-Aged-Women Elli, Astrid und Isabella (Pia Hierzegger, Ursula Strauss, Diana Amft) machen wie seit vielen Jahren gemeinsamen Urlaub auf einem Campingplatz in der Steiermark. Die drei sind seit ihrer Jugend beste Freundinnen, doch heuer ist etwas anders: Elli hat Krebs und gerade erst eine Chemo-Therapie überstanden. Daher ist besondere Vorsicht angesagt, man will es ruhig angehen lassen. Mit der Camping-Ruhe ist es allerdings schnell vorüber. Denn der Dauercamper Chris wird während eines Gewitters von einem Ast getroffen und stirbt – und die drei werden Zeuginnen des Unglücks.
Astrid will den vielleicht letzten Ausflug mit Elli nicht so enden lassen und überzeugt die beiden anderen zu einem Trip an den Lido. Nebst Sonne, Meer und neuen und alten Bekanntschaften wird der Ersatzurlaub für die drei auch zur teils schmerzhaften Reise zu sich selbst.
Weshalb es sich lohnt Pia Hierzegger legt in ihrem Regie-Debüt einen solide umgesetzten Film vor, der sich nahtlos in die Tradition jener typisch österreichischen Tragikkomödien einreiht, die zwischen Lustigem, Absurdem und Dramatischem balancieren. Die drei Protagonistinnen geben so etwas wie die milde, grantige und österreichische Variante "toxischer Weiblichkeit": Zwischendurch fliegen die Fetzen, doch am Ende hat man sich doch wieder lieb. Im letzten Drittel verliert "Altweibersommer" etwas an Spannung, trotzdem gelingt Hierzegger ein kurzweiliger Film, der sich vor der Konkurrenz nicht zu verstecken braucht.
"Altweibersommer", Tragikkomödie, Österreich 2025, 94 Minuten, ab 4. April im Kino

"Sing Sing"
Worum es geht "Sing Sing" ist eines der ältesten noch in Betrieb befindlichen US-Gefängnisse im Staat New York. Dort sitzt John "Divine G" Whitfield (Colman Domingo) für ein Verbrechen ein, das er gar nicht begangen hat. Seine Anträge auf Entlassung werden stets abgelehnt. Sein einziger Lichtblick ist die Häftlingstheatergruppe "Rehabilitation through the Arts", wo er sein kreatives Talent ausleben kann.
Er fungiert auch als Mentor für seine Mitinsassen, hilft ihnen bei Berufungsanträgen und hat immer ein offenes Ohr. Doch nach einer erneuten Ablehnung seines eigenen Ansuchens ist es nun Whitfield, der verzweifelt – und die Unterstützung seiner Community braucht.
Weshalb es sich lohnt "Sing Sing" lebt von seinem dokumentarischen Charakter und seinem Realismus - fast alle Figuren werden von ehemaligen Gefängnisinsassen gespielt. Die grobkörnigen Bilder und die oft verwendete Handkamera tragen viel zu der Intimität bei, die das Drama vermittelt. Es sind nicht große Gesten, sondern leise, subtile Töne, die ihre Wirkung entfalten. Auf unaufdringliche Art und Weise entsteht so eine - auf realem Vorbild basierende – Geschichte über die transformative Kraft von Kunst und Schauspiel.
Einen großen Anteil an der Qualität des Films hat Colman Domingo, der seine Figur zwischen kontrollierter Härte und Zerbrechlichkeit oszillieren lässt, wofür es zurecht eine Oscar-Nominierung gab.
"Sing Sing", Drama, Biopic, USA 2023, 107 Minuten, ab 4. April im Kino

"Alarm"
Worum es geht Regisseurin Judith Zdesar begleitet in ihrem Film die Freiwillige Feuerwehr von Wiener Neustadt bei Einsätzen, Übungen und in der Wartezeit dazwischen. Im Mittelpunkt stehen weniger spektakuläre Bilder von Einsätzen, sondern das stille Ringen mit der Unausweichlichkeit von Gefahr, Verlust und Tod. Durch Actioncam-Aufnahmen erlebt das Publikum den Arbeitsalltag hautnah mit. Ergänzt wird das Ganze durch Interviews mit den freiwilligen Rettern, die über ihre Tätigkeit, Gott und die Welt sinnieren.
Für wen es sich lohnt "Alarm" würde auch als filmische Ethnografie durchgehen. Es ist ein Eintauchen in eine fremde Welt mit eigenen Regeln, Gesetzen und jeder Menge Lokalkolorit, das dem Publikum nebenbei die Heimat des neuen österreichischen Bundeskanzlers näher bringt. Ein Blick in die österreichische Seele, mitunter unfreiwillig komisch, aber durchaus erhellend und informativ.
"Alarm", Dokumentation, Österreich 2024, 90 Minuten, ab 4. April im Kino
Außerdem neu im Kino:
"Ein Minecraft-Film" Jason Momoa und Jack Black in der Filmadaption des erfolgreichsten Videospiels aller Zeiten. ab 4. April
"Sleep with your eyes open" Experimentell umgesetzter Film über chinesische Arbeitsmigranten in Brasilien. ab 3. April
"Soundtrack to a Coup d'Etat" Wie die USA in den 1960er-Jahren Jazz als "imperialistische Waffe" gegen den Kongo einsetzten, indem Größen wie Louis Armstrong als "Botschafter des Westens" entsandt wurden. Nominiert für den Dokumentarfilm-Oscar. ab 3. April

Neu im Heimkino: "Juror #2"
Clint Eastwoods wohl endgültig letzter Film als Regisseur ist nun endlich auch in Österreich zu sehen, und zwar als Video-On-Demand. Warum der Kinostart seinerzeit ausfiel und was von dem sehenswerten Werk zu erwarten ist, kann man hier nachlesen.
Heimkino-Tipp: "Juror #2", Drama, Thriller, USA 2024, ab sofort als Video-On-Demand bei diversen Anbietern