Kino-doku
Led Zeppelin: So hebt beste Rock-Band aller Zeiten neu ab
Headbangen im Kino. 45 Jahre nach der Auflösung rockt Led Zeppelin die Leinwand. 12 Jahre reichten der Band, um die Musikgeschichte zu verändern, auch Wien spielte dabei eine Rolle. Die Doku "Becoming Led Zeppelin" beleuchtet nun die Anfangsjahre.

Auch schon wieder 45 Jahre her. 1980 lösten sich Led Zeppelin nach dem Tod ihres Drummers auf und hinterließen die Frage: Welche ist die größte und wichtigste Band aller Zeiten? Die Rolling Stones? Die Beatles? Pink Floyd?
Zumindest wenn man den Radius auf das Genre Rock eingrenzt, sollte die Antwort eindeutig ausfallen: Led Zeppelin. Denn die Band aus den Vororten von London rund um Jimmy Page prägte die Rockmusik wie keine andere, und tut das bis heute.
Die Entstehung von Led Zeppelin Der britische Regisseur Bernhard MacMahon beleuchtet in seinem Dokumentarfilm "Becoming Led Zeppelin" im Kino, die formativen Jahre der Band und macht das anhand ausführlicher Interviews mit Gitarrist Jimmy Page, Sänger Robert Plant und Bassist John Paul Jones, den noch lebenden Gründungsmitgliedern. Es ist dies der erste, offiziell autorisierte Film über Led Zeppelin. Ergänzt werden die Interviews durch Archivaufnahmen und extensive Konzertmitschnitte.
In London begann's Die Geschichte Led Zeppelins begann in der Londoner Umgebung, wo die drei Genannten und der 1980 verstorbene Drummer John Bonham erste Erfahrungen als Musiker sammelten. Jones und vor allem Page taten sich Mitte der 1960er als gefragte Studiomusiker hervor, Page ist unter anderem auf Aufnahmen der Rolling Stones, der Kinks und von The Who zu hören. Selbst war er Teil der einflussreichen Yardbirds, die sich 1968 auflösten.
Vom Underground zum Mainstream Doch Page, ausgestattet mit und angetrieben von einer originären künstlerischen Vision, suchte nach neuen Musikern. So fand er Plant, Jones und Bonham - und bereits bei der ersten Jam-Session machte es "Klick": Die Band spielte als "The New Yardbirds" einige Gigs in Underground-Locations, bevor man den Namen "Led Zeppelin" annahm und 1969 das erste Studio-Album ("Led Zeppelin I") herausbrachte.

Durchbruch in den USA Die ersten Auftritte führten durch die USA, wo sich der Erfolg allerdings erst nach Anlaufschwierigkeiten einstellte. Während das Publikum langsam Gefallen an dieser neuen, außergewöhnlichen Band und ihrer Musik fand, zerriss die Musikpresse deren erste Aufnahmen in der Luft. Spätestens mit dem zweiten Album "Led Zeppelin II" war aber der Durchbruch geschafft: Inzwischen waren auch die Konzerte in Europa ausverkauft und Fachleute überschlugen sich in Lobeshymnen.
Zwischenfall in Wien Drei Monate vor ihrer Auflösung spielten Led Zeppelin auch in Wien. Am 26. Juni 1980 wurde Page in der Stadthalle von einem Feuerwerkskörper getroffen. Die Band verließ daraufhin die Bühne und kehrte erst zurück, nachdem der Täter, ein Student, ermittelt worden war.
Die Genese von Meisterwerken "Becoming Led Zeppelin" konzentriert sich auf die ersten Jahre, die durch Aufnahmen und Erzählungen von Page, Plant und Jones illustriert werden. Man erfährt ein bisschen etwas über Kindheit und Jugend der Protagonisten, über ihre Leidenschaft für Musik, die eine Karriere vorzeichnete, über die kreativen Prozesse, die in musikalischen Meisterwerken wie "Good Times Bad Times", "Dazed and Confused" und "Whole Lotta Love" kulminierten.

Film für alle Die Dokumentation hat für alle etwas zu bieten: Für Fans der Band gibt es einige Anekdoten aus dem Mund ihrer Helden und bemerkenswert restaurierte Original-Aufnahmen von Konzerten und aus dem Studio, die eine einzigartige Magie einfangen. Für jene, die bisher wenig bis gar nichts über Led Zeppelin wussten - es soll solche Menschen geben - bietet der Film einen zugänglich gestalteten musikhistorischen Exkurs in Frühphase der modernen Rockmusik.
Mysteriöse Aura "Becoming Led Zeppelin" gelingt es auch, die bis heute mysteriöse Aura der Band zu transportieren, die stets einen Teil ihres Erfolgs ausmachte, neben den genialen und unwiderstehlichen Riffs von Jimmy Page und dem markerschütternden Schrei-Gesang Robert Plants. Diese Aura nährt(e) sich aus aus dem Faible für das Okkulte (vor allem seitens Jimmy Pages), kryptischen Lyrics und Gerüchte über "geheime Botschaften" in den Songs. Led Zeppelin bleiben geheimnisvoll und schwer fassbar, auch in der Doku.

Etwas oberflächlich Hier kann man auch die einzige Kritik an dem Film anbringen: Denn zu selten geht er "in die Tiefe", stellt unangenehme Fragen an seine Protagonisten oder befasst sich mit den Brüchen und Wendepunkten in der Karriere. Dunklere Kapitel der Bandgeschichte bleiben völlig ausgeblendet oder werden höchstens ganz knapp angerissen.
Unerwähnte Brüche und Skandale Das betrifft zum einen den Tod des ehemaligen Drummers, der nach einem Alkoholexzess an seinem eigenen Erbrochenen erstickte, was das Ende der Band besiegelte. Auch die zeitweise schwere Heroinsucht von Jimmy Page Mitte der 1970er bleibt unerwähnt. Oder seine skandalöse Beziehung mit einem damals 14-jährigen Groupie, während er 28 war.
Viele Rätsel bleiben Ein Gesamtpanorama sollte alles umfassen. Und so kann man "Becoming Led Zeppelin" eine gewisse Tendenz Richtung unkritischer Hagiografie nicht gänzlich absprechen. Andererseits: Der Film wäre wohl sonst gar nicht zustande gekommen, nicht zufällig ist es der erste, große Film über die Band. Page und Co. waren stets um ihre Außendarstellung bedacht, das bleibt auch hier der Fall. Und so bleiben Led Zeppelin auch in dieser Doku ein Enigma.

Fazit Wie entsteht große Kunst? "Becoming Led Zeppelin" gibt Antworten auf diese Fragen und tut sich anhand der Erzählungen von Page, Plant und Co. auch als Plädoyer für künstlerische Kompromisslosigkeit und Originalität hervor. Einziger Wermutstropfen: Die zeitweise fehlende Tiefe und ausbleibende Thematisierung der Brüche der Bandgeschichte. Gerade bei einer Band, die die dunklen Aspekte der menschlichen Existenz in ihrem Schaffen immer wieder thematisiert hatte ist das etwas schade.
"Becoming Led Zeppelin", Großbritannien / USA 2025, 121 Minuten, ab 18. März im Kino. Ab 18. März in ausgewählten Kinos. Die Österreich-Premiere findet um 20.30 Uhr im Filmcasino in Wien statt.